2007 – Entdeckung der Funktion des CRISPR/Cas-Systems

„Genscheren“ sind molekulare Werkzeuge, die die DNA an definierten Stellen viel schneller und präziser durchtrennen als Restriktionsenzyme und dadurch prinzipiell chirurgisch genaue Genom-Eingriffe ermöglichen. Zu diesen zählen Zinkfinger-, TALE- und die besonders effizienten Cas-Nukleasen. Sie wurden dem CRISPR/Cas-System abgeschaut, dessen Funktion als Teil der bakteriellen Immunabwehr von Rodolphe Barrangou und Philippe Horvath 2007 in der Milch verarbeitenden Industrie entdeckt wurde, als sie nach einem Weg suchten, ein für die Joghurt- und Käseproduktion benötigtes Bakterium resistent gegen Virenbefall zu machen. 2012 zeigten Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna, dass sich dieses System generell dazu eignet, um Universalwerkzeuge zur gezielten Durchtrennung von DNA herzustellen. Anfang 2013 wiesen Feng Zhang und George Church nach, dass diese Art der „Genomeditierung“ auch in menschlichen Zellen möglich ist. CRISPR/Cas-Nukleasen lassen sich bei allen Lebewesen einsetzen und finden in allen Sparten der Biotechnologie Anwendung. Sie wecken einerseits Hoffnungen auf die Heilung bisher unheilbarer Krankheiten, andererseits Befürchtungen des Missbrauchs zur Menschenzüchtung. Denn die Genomeditierung lässt sich sowohl in Körper- als auch in Keimbahnzellen vornehmen.